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    Aufgequollen – DAS Krankheitsbild des Winters

    6Kommentare

    Mit dem lange erwarteten endgültigen Einbruch des Winters sinken die Wassertemperaturen in den unbeheizten Koiteichen in Frostnächten schnell um 4-6 °C auf unter 8°C

    Mit dem lange erwarteten endgültigen Einbruch des Winters sinken die Wassertemperaturen in den unbeheizten Koiteichen in Frostnächten schnell um 4-6 °C auf unter 8°C. Schon vorher, beim Abschwung von etwa 14°C auf unter 10°C waren die ersten aufgequollenen Koi zu beobachten. Dieses Krankheitsbild wird uns nun den ganzen Winter begleiten.

     

    Was „aufgequollen“ heißen soll? Zunächst sieht man fast nichts: Der Koi sitzt nur auffallend häufig am Teichboden, während alle anderen noch nach Futter suchen oder langsam herumschwimmen. Bei genauerem Hinsehen kann man erkennen, dass einige Schuppen an der Seite leicht abstehen. Bleibt es kalt, werden Tag für Tag weitere Schuppen abstehen und die Symptome der „Bauchwassersucht“ werden deutlich, der Koi sieht aus wie ein Tannenzapfen. Ich finde den Begriff „Bauchwassersucht“ sehr irreführend, denn jeder Koifreund, der nun verzweifelt in Büchern und Internet nach „Bachwassersucht“ sucht, wird am Ende überzeugt sein, dass sein Koi Frühjahrsvirämie oder eine gefährliche bakterielle Seuche hat und dem Tode geweiht ist, wenn er nicht schnellstens eine antibiotische Spritze bekommt. Nichts könnte jedoch falscher sein!

     

    Bauchwassersucht ist nur eine Beschreibung bestimmter Symptome: Abstehende Schuppen, aufgetriebener dicker Bauch, bei Druck kann wässrige Flüssigkeit aus der Bauchhöhle austreten. Die Augen beginnen hervorzustehen, so genannte Glotzaugen, entstehen, in der Regel beidseitig. Wenn der Zustand länger andauert, werden auch Blutungen in den Schuppentaschen erkennbar sein, denn der Druck des wassergefüllten Gewebes verhindert eine regelrechte Zirkulation des Blutes in den weit außen liegenden Blutgefäßen, das Blut versackt in der Haut.

     

    All dies kommt daher, dass die Niere ihrer Ausscheidungsfunktion nicht ausreichend oder gar nicht mehr nachkommt. Die Niere der Süßwasserfische ist vereinfacht gesprochen eine „Wasserausscheidungspumpe“, die alles eindringende Süßwasser zusammen mit einigen Salzen als Urin ins umgebende Wasser ausscheidet. Süßwasser dringt laufend in die Koi ein, weil ihre Körperzellen mehr Salze enthalten, als das Süßwasser im Teich. Bleibt der Ausscheidungsprozess stehen, quillt der Fisch durch den osmotischen Druck des eindringenden Süßwassers auf. Somit ist das Symptom „Bauchwassersucht“ lediglich die Folge einer Nierenfunktionsstörung. Diese kann entstehen durch:

    - Tumor/Krebserkrankungen der Niere (unheilbar!),

    - durch Nierendegeneration, u.a. nach Anwendung toxischer Medikamente (z.B. Gentamycin             ist ein             berühmtes Nierengift),

    - durch bakterielle Entzündung des Nierengewebes (heilbar im Anfangsstadium mit             geeigneten Antibiotika),

    - durch virale Infektionen wie Frühjahrsvirämie (auch SVC,             meist nicht heilbar, es sei             denn durch Temperaturerhöhung),

    - aber auch durch Stoffwechselprobleme, wie Energiemangel, dies ist in aller Regel heilbar!

     

    Hier sollte man aufhorchen: Bauchwassersucht durch Energiemangel ist (meist) heilbar!!!

     

     

    Alle genannten Ursachen mit Ausnahme der Medikamentenüberdosierung sind typische Erkrankungen der wärmeren Teiche, auch die Viruskrankheit SVC bricht nicht unter 8 °C im kalten Teich aus, sondern erst im Frühling mit steigenden Temperaturen. Und die Vergiftung der Niere wird genauso behandelt wie der Energiemangel: Man muss den kranken Koi vorsichtig und langsam in einen höheren Temperaturbereich bringen und mit jodfreiem Kochsalz der Niere eine Pause verschaffen, die entweder zur Heilung führt oder dazu, dass der Fisch im wärmeren Wasser wieder an Energiereserven herankommt, die im kalten Teich nicht verfügbar waren. Das ist alles!

     

    Hier kommt – mein Neujahrsgeschenk an alle derart erkrankten Koi – die detaillierte richtige Vorgehensweise für „aufgequollene“ Fische:

     

    1. Ein Becken mit Teichwasser füllen und an einem kühlen Ort platzieren. Zum Beispiel ein ungeheizter Keller oder eine Garage, am besten mit einem Wasseranschluss.
    2. In dieses Becken (es sollte für einen 40 cm großen Koi mindestens 350 l Wasser fassen) wird jodfreies Kochsalz in einer Dosis von 5g/l eingestreut, NICHT aufgelöst. Eine Belüftungspumpe muss auch installiert sein, wer die Möglichkeit hat, hängt einen kleinen Filter (sauber, gut gespült!) an das Becken.
    3. Nun wird der erkrankte Koi vorsichtig in das Becken gelegt und die Belüftung angeschaltet. Am ersten Tag sollte der Koi möglichst nicht mehr als 2 °C erwärmt werden – daher der kühle Raum!
    4. Ist die Erkrankung noch im Anfangsstadium, wird der Koi schon bei 2°C höherer Wassertemperatur  nach wenigen Stunden deutlich munterer erscheinen.
    5. ACHTUNG: Kranke Koi scheiden unglaubliche Mengen Ammonium aus. Auch mit Filter muss man jeden Tag mindestens 30-50% Wasser wechseln! Nach dem Teilwasserwechsel sollte man für die ersten 7 Tage die 5g/L Salz aufrechterhalten, also anteilig 30-50% der Anfangssalzmengen nach dem Wasserwechsel nachdosieren.
    6. Wenn sich nach 3 Tagen die Schuppen noch nicht anlegen, muss man die Wassertemperatur langsam 1-2°C pro Tag auf 16°C erhöhen. Wer eine Innenhälterung hat, kann den Koi dann gleich nach drinnen nehmen, allerdings muss er dann den Winter über dort bleiben. Am besten natürlich mit einem Gesellschaftskoi und ab dem 8. Tag bei 0,3% Salzgehalt (das sind 3g/l).
    7. Wer keine Innenhälterung hat, muss laufend weiter Wasser wechseln, Salz nachdosieren und einen leistungsfähigen Heizstab kaufen oder aber die Heizung im Raum andrehen. Nach 7 Tagen senkt man den Salzgehalt auf 3g/l ab. Bei 16°C bleibt der Koi bis zu seiner Wiederherstellung in diesem Becken und man kann hoffen, dass er bei langsamer Abkühlung (1°C pro Tag!) dann seinen Nierenstoffwechsel auch im kalten Teich aufrechterhalten kann – der Fisch darf dann versuchsweise in den Koiteich zurückgesetzt werden, aber erst, wenn er mindestens 1 Woche ohne erhöhten Salzgehalt stabil schwimmt. Es sind also mindestens 14 Tage bis 21 Tage nötig, um den Koi versuchsweise wieder zurücksetzen zu können.
    8. Zur Fütterung: Voraussetzung sind optimale Wasserwerte (Ammonium 0,0 mg/l, Nitrit nicht über 0,5 mg/l!), dann kann man mit Honigsmacks oder Weizenkeimfutter („wheat germ“) versuchen, dem Koi neue Energie zuzuführen. Sobald der Koi frisst, ist er über dem Berg (aber nur dann, wenn es mit den Wasserwerten optimal läuft!). Honigsmacks haben den Vorteil, kein Eiweiß zu enthalten, das zu schlechten Wasserwerten führt, der enthaltene Zucker ist für Koi sehr leicht aufnehmbare und verwertbare Energie.

     

    Was kann schief gehen?

     

    Die Wasserqualität in einem kleinen Becken gut zu halten, ist neben den Salzzugaben die schwierigste Aufgabe. Eine gute Hilfe ist es, den NH4- (Ammonium), NO2- (Nitrit) und den pH-Wert täglich zu messen, man sollte sich bei all diesem Aufwand nie in Sicherheit wiegen!

     

    Die Wassertemperatur kann zu schnell steigen: Das überfordert den kranken Koi und er stirbt!

     

    Der Salzgehalt kann zu hoch werden, wenn man die Zudosierung nicht ausreichend genau auf die Wasserwechsel einstellt. Das kann bei Salzgehalten über 10g/l problematisch werden! Ein Salzmessgerät ist eine gute und preisgünstige Hilfe.

     

    Der Koi fängt nicht an zu fressen: Dann ist ein größeres Becken und ein Artgenosse fällig – und sicherheitshalber doch noch ein Wassertest: Kranke Koi fressen nach meiner Erfahrung nicht, wenn die Wasserqualität schlecht ist.

     

    Ein guter Fischtierarzt ist übrigens in der Lage, medizinisch noch mehr für diese Patienten zu tun, daher sollte man sobald der Koi die erste Nacht im Krankenbecken überlebt hat, auch den Tierarzt seines Vertrauens hinzuziehen.

     

    Und zu guter Letzt: Koi, die nicht (mehr) unten am Boden sitzen, sondern träge oder leblos an der Wasseroberfläche treiben oder in Seitenlage am Boden liegen und mit drehenden Schwimmbewegungen nach dem Anstoßen wegschwimmen, sind bereits längere Zeit im Zustand eines gravierenden Energiemangels. Je länger man wartet, umso schlechter wird die Prognose für den Koi. Daher kann man allen Koifreunden mit einem Quarantänebecken nur gratulieren: Sie haben die besten Voraussetzungen, Koi mit Energiemangelsyndrom zu heilen und gut über den Winter zu bringen.

     

    Ihre

    Sandra Lechleiter.

     

     

    6 Kommentare zu dieser News

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    • Danke

      Vielen Dank für Ihre Ausführungen, diese sind wie immer sehr lehrreich.

    • Re: Aufgequollen – DAS Krankheitsbild des Winters

      Vielen Dank für die Informationen.

    • Salz im Behandlungswasser

      Isotonische Verhältnisse bei Süßwasserfischen liegen bei etwa 0,4 - 0,5%.

      Nach meiner Beobachtung ist es am sichersten, die Temperaturen nicht unter 12 °C fallen zu lassen, denn das EMS kann auch schon bei 8°C bei vorbelasteten Koi auftreten.

      Viele Grüße Sandra Lechleiter

    • Bauchwassersucht

      Wasser rausdrücken geht leider nicht, dann müßte man den ganzen Fisch auswringen, denn das Wasser ist in den Körperzellen eingelagert. Mit Salz kann man das Salz aber durch osmotischen Druck aus dem Koi heraus"drücken". Ihre Rechnung stimmt, für die 0,5% brauchen Sie 25 kg in 5000l. Bitte drandenken, dass das nur für eine Woche so hoch bleiben sollte. Viele Grüße Sandra Lechleiter

    • Bauchwassersucht

      Guten Abend Frau Lechleiter,
      Kann man das Wasser auch rausdrücken ?
      Der Salzgehalt der Innenhälterung beträgt doch somit bei 5000l 25kg. ?
      Gtuß
      Andreas

    • Salz im Behandlungswasser

      Sehr geehrte Frau Lechleiter,

      das ist wieder einmal, wie immer bei Ihren Artikeln, ein sehr lehrreicher und interessanter Beitrag. Vielen Dank dafür.
      Ich habe aber noch 2 Fragen:

      Können Sie Aussagen dazu machen, bei welcher Salzkonzentration isotonische Verhältnisse zwischen Fisch und Umgebungswasser hergestellt sind? Sind es auch 0,9%?

      Würden Sie aus Kenntnis der oben beschrieben Sachverhalte empfehlen, die Teichtemperatur nie unter 8°C fallen zu lassen?

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